Hausschlüsselspiel
jill | 25. Juli 10 | Topic 'Zuhause'
Hausschlüsselspiel
Es fing eigentlich ganz harmlos an, an diesem Morgen und zwar damit, dass mein Göttergatte seinen Hausschlüssel vergessen hatte, er hing noch unangetastet im Schlüsselkasten und sah ganz unschuldig aus.
Ist ja auch nicht so wild, ich bin ja zu Hause und werde ihn wahrscheinlich auch am Abend reinlassen, wenn er Glück hat, informiere ich ihn am Telefon.
Ja, ist gut, höre ich ihn am anderen Ende ängstlich nuscheln, wahrscheinlich befürchtet er vor der Tür stehen zu müssen, was vor allem heißt, kein warmes leckeres Essen, aber so gemein bin ich gar nicht, meistens jedenfalls nicht.
Mein Sohn ist heute der reinste Sonnenschein, er kann nämlich seit neustem sitzen, 7 Monate ist er alt und er genießt es, hockt in seinem Zimmer zwischen allerlei Spielzeug und schmeißt begeistert dasselbe durch die Gegend.
Ich bin auch begeistert, vor allem weil der Haushalt so ruck zuck von der Hand geht, ich kehre ein bisschen den Balkon, und beschließe auch gleich die Tür aufzulassen, frische Luft soll ja sehr gesund sein. Fuhrwerke mit dem Staubsauger noch ein wenig herum und bin bald darauf nicht mehr so begeistert, weil durch die offene Balkontür doch so einiges hereingeweht kam. Egal, Frischluft geht vor, Tür bleibt auf und saugen kann ich dann bei Regen, es regnet ja doch sehr häufig in Deutschland. Im Stillen hoffe ich auf ein Hoch.
Söhnchen kräht immer noch vor sich hin, prima, denke ich so bei mir, und schnappe mir die Schmutzwäsche um sie noch flott in die Waschküche zu bringen.
Korb unter den Arm geklemmt, noch schnell den Hausschlüssel im Vorbeigehen aus dem Schlüsselkästchen geschnappt und flott nach unten in den Keller. Als ich die Waschmaschine belade höre ich oben meine Haustür zuknallen, nicht so schlimm, habe ja den Schlüssel mit, so was habe ich nämlich befürchtet. Im Sommer steht ja überall alles auf, auch im Keller, die Wäsche braucht schließlich Frischluft, hier unten wird sie auch nicht nass.
Ich eile wieder nach oben, ziehe den Schlüssel aus der Hosentasche und starre ungläubig darauf, es ist der Briefkastenschlüssel. Das gibt es doch nicht, ich kneife die Augen zu und reiße sie ruckartig wieder auf, aber es ist immer noch der falsche Schlüssel.
Ich denke scharf nach und komme zu dem Schluss das beide Hausschlüssel inklusive Baby in der Wohnung sind und ich davor stehe und nicht reinkomme.
Panik kommt auf, was mache ich? Warten, bis mein Sohn groß genug ist die Tür zu öffnen? Dauert zu lange, meinen Vermieter anrufen, aber der wohnt in einer anderen Stadt, dauert auch zu lange, Tür aufbrechen? Aber wie?
Der Schlüsseldienst muss her beschließe ich, aber da habe ich die Idee. Die Balkontür fällt mir wieder ein, die ist ja noch auf, und ich wohne im Erdgeschoss. Ich freue mich wie wild, aber die Leiter steht im Schlafzimmer.
Macht nichts, ist ja schließlich ein Mehrfamilienhaus, ich klingle also gegenüber, es öffnet aber niemand, alle ausgeflogen zur Arbeit und zur Schule. Ich flitze eine Etage höher, zur Linken öffnet auch keiner, rechts auch nicht, das ganze Haus scheint ausgeflogen zu sein, wo sind die denn bloß alle? Wenn man hofft niemanden zu begegnen weil man äußert mangelhaft bekleidet mit Nachthemd in der Waschküche rumwuselt trifft man garantiert das halbe Haus. Ich habe auch schon von Leuten gehört die nackt (ich nicht) in die Waschküche rennen.
Ich versuche mein Glück noch eins höher, hoffentlich habe ich Glück, darüber ist nur noch der Dachboden. Und tatsächlich, Herr E., ein sehr rüstiger Rentner nebst Frau ist zu Hause, ich erkläre atemlos was ich von ihm will, nämlich eine Leiter und hoffe er hat eine. Herr E. hat, ich nehme die Leiter in Empfang, rase die Treppe runter, den Rest falle ich fast, weil so mit Leiter unter dem Arm das Laufen gewöhnungsbedürftig ist.
Ich flitze also ums Haus rum, Richtung Garten, renne auf dem Giebel fast noch einen Nachbarn aus dem Nebenhaus um der grad seinen Tomaten gut zuredet, da hätte ich mir zur Not ja auch noch eine Leiter pumpen können. Dieser guckt etwas schräg als ich mit der Leiter an ihm vorbei renne.
Ich steht glücklich vor meinem Balkon, da habe ich schon das nächste Problem, die Blumenkästen, da könnte ich drüber, will ich aber nicht, wegen der Bienen, rechts daneben geht auch nicht, steht ein riesiger Busch, bleibt nur links, da wächst zwar auch was vor sich hin, ist aber nicht zu definieren und ich klassifiziere es als Unkraut.
Die Leiter aufgeklappt, bohre ich sie in die weiche Erde und schwinge mich heldenhaft darauf, inzwischen habe ich neugierige Zaungucker aus dem Kindergarten, der an das Grundstück grenzt, die Kinder winken mir begeistert zu, schräge Blicke kassiere ich von den Erzieherinnen, hoffentlich rufen sie nicht die Polizei, da könnte ja jeder kommen und den Balkon erstürmen.
Ich klettere über die Brüstung und falle auf der anderen Seite recht unsanft auf den harten Balkonboden. Gelächter erschallt Richtung Gartenzaun. Jetzt werde ich auch noch ausgelacht.
Egal, ich angele mir die Leiter und ziehe sie hoch und renne ins Kinderzimmer, dort strahlt mein Sohn mich übers ganze Gesicht an, er hatte mich nicht mal vermisst.
Ich säubere die Leiter und bevor ich sie nach oben bringe nehme ich den Schlüssel mit, Sie können mir glauben, diesmal habe ich dreimal geschaut ob es auch der Richtige war.
Mit schlüssellosen Grüßen
Jill
Es fing eigentlich ganz harmlos an, an diesem Morgen und zwar damit, dass mein Göttergatte seinen Hausschlüssel vergessen hatte, er hing noch unangetastet im Schlüsselkasten und sah ganz unschuldig aus.
Ist ja auch nicht so wild, ich bin ja zu Hause und werde ihn wahrscheinlich auch am Abend reinlassen, wenn er Glück hat, informiere ich ihn am Telefon.
Ja, ist gut, höre ich ihn am anderen Ende ängstlich nuscheln, wahrscheinlich befürchtet er vor der Tür stehen zu müssen, was vor allem heißt, kein warmes leckeres Essen, aber so gemein bin ich gar nicht, meistens jedenfalls nicht.
Mein Sohn ist heute der reinste Sonnenschein, er kann nämlich seit neustem sitzen, 7 Monate ist er alt und er genießt es, hockt in seinem Zimmer zwischen allerlei Spielzeug und schmeißt begeistert dasselbe durch die Gegend.
Ich bin auch begeistert, vor allem weil der Haushalt so ruck zuck von der Hand geht, ich kehre ein bisschen den Balkon, und beschließe auch gleich die Tür aufzulassen, frische Luft soll ja sehr gesund sein. Fuhrwerke mit dem Staubsauger noch ein wenig herum und bin bald darauf nicht mehr so begeistert, weil durch die offene Balkontür doch so einiges hereingeweht kam. Egal, Frischluft geht vor, Tür bleibt auf und saugen kann ich dann bei Regen, es regnet ja doch sehr häufig in Deutschland. Im Stillen hoffe ich auf ein Hoch.
Söhnchen kräht immer noch vor sich hin, prima, denke ich so bei mir, und schnappe mir die Schmutzwäsche um sie noch flott in die Waschküche zu bringen.
Korb unter den Arm geklemmt, noch schnell den Hausschlüssel im Vorbeigehen aus dem Schlüsselkästchen geschnappt und flott nach unten in den Keller. Als ich die Waschmaschine belade höre ich oben meine Haustür zuknallen, nicht so schlimm, habe ja den Schlüssel mit, so was habe ich nämlich befürchtet. Im Sommer steht ja überall alles auf, auch im Keller, die Wäsche braucht schließlich Frischluft, hier unten wird sie auch nicht nass.
Ich eile wieder nach oben, ziehe den Schlüssel aus der Hosentasche und starre ungläubig darauf, es ist der Briefkastenschlüssel. Das gibt es doch nicht, ich kneife die Augen zu und reiße sie ruckartig wieder auf, aber es ist immer noch der falsche Schlüssel.
Ich denke scharf nach und komme zu dem Schluss das beide Hausschlüssel inklusive Baby in der Wohnung sind und ich davor stehe und nicht reinkomme.
Panik kommt auf, was mache ich? Warten, bis mein Sohn groß genug ist die Tür zu öffnen? Dauert zu lange, meinen Vermieter anrufen, aber der wohnt in einer anderen Stadt, dauert auch zu lange, Tür aufbrechen? Aber wie?
Der Schlüsseldienst muss her beschließe ich, aber da habe ich die Idee. Die Balkontür fällt mir wieder ein, die ist ja noch auf, und ich wohne im Erdgeschoss. Ich freue mich wie wild, aber die Leiter steht im Schlafzimmer.
Macht nichts, ist ja schließlich ein Mehrfamilienhaus, ich klingle also gegenüber, es öffnet aber niemand, alle ausgeflogen zur Arbeit und zur Schule. Ich flitze eine Etage höher, zur Linken öffnet auch keiner, rechts auch nicht, das ganze Haus scheint ausgeflogen zu sein, wo sind die denn bloß alle? Wenn man hofft niemanden zu begegnen weil man äußert mangelhaft bekleidet mit Nachthemd in der Waschküche rumwuselt trifft man garantiert das halbe Haus. Ich habe auch schon von Leuten gehört die nackt (ich nicht) in die Waschküche rennen.
Ich versuche mein Glück noch eins höher, hoffentlich habe ich Glück, darüber ist nur noch der Dachboden. Und tatsächlich, Herr E., ein sehr rüstiger Rentner nebst Frau ist zu Hause, ich erkläre atemlos was ich von ihm will, nämlich eine Leiter und hoffe er hat eine. Herr E. hat, ich nehme die Leiter in Empfang, rase die Treppe runter, den Rest falle ich fast, weil so mit Leiter unter dem Arm das Laufen gewöhnungsbedürftig ist.
Ich flitze also ums Haus rum, Richtung Garten, renne auf dem Giebel fast noch einen Nachbarn aus dem Nebenhaus um der grad seinen Tomaten gut zuredet, da hätte ich mir zur Not ja auch noch eine Leiter pumpen können. Dieser guckt etwas schräg als ich mit der Leiter an ihm vorbei renne.
Ich steht glücklich vor meinem Balkon, da habe ich schon das nächste Problem, die Blumenkästen, da könnte ich drüber, will ich aber nicht, wegen der Bienen, rechts daneben geht auch nicht, steht ein riesiger Busch, bleibt nur links, da wächst zwar auch was vor sich hin, ist aber nicht zu definieren und ich klassifiziere es als Unkraut.
Die Leiter aufgeklappt, bohre ich sie in die weiche Erde und schwinge mich heldenhaft darauf, inzwischen habe ich neugierige Zaungucker aus dem Kindergarten, der an das Grundstück grenzt, die Kinder winken mir begeistert zu, schräge Blicke kassiere ich von den Erzieherinnen, hoffentlich rufen sie nicht die Polizei, da könnte ja jeder kommen und den Balkon erstürmen.
Ich klettere über die Brüstung und falle auf der anderen Seite recht unsanft auf den harten Balkonboden. Gelächter erschallt Richtung Gartenzaun. Jetzt werde ich auch noch ausgelacht.
Egal, ich angele mir die Leiter und ziehe sie hoch und renne ins Kinderzimmer, dort strahlt mein Sohn mich übers ganze Gesicht an, er hatte mich nicht mal vermisst.
Ich säubere die Leiter und bevor ich sie nach oben bringe nehme ich den Schlüssel mit, Sie können mir glauben, diesmal habe ich dreimal geschaut ob es auch der Richtige war.
Mit schlüssellosen Grüßen
Jill