Mittwoch, 28. Juli 2010
Von verschwundenen Gegenständen und einzelnen Socken
Von verschwundenen Gegenständen und einzelnen Socken

Verschwindet bei Ihnen auch so viel?

So scheint es fast allen Leuten zu gehen.

Haben Sie Kinder?

Ich meine so kleine, zwischen 60cm bis so einen 1,40, die grundsätzlich schmutzig sind auch wenn man sie erst vor 2 Minuten von Kopf bis Fuß frisch angezogen hat. Die Sorte, der auch immer langweilig ist, und wo man das lang gezogene Maaammmaa schon nicht mehr hören kann.

Sind sie dann mal still, macht man sich auch so seine Gedanken, sie oder er stellt bestimmt gerade was an, vor allem wenn mehrere laufende Meter in der Wohnung sind.

Schneebesen haben keine Beine, wie also kann einer den man vor 5 Minuten aus der Spülmaschine genommen hat, und auf den Tisch gelegt hat plötzlich weg sein?

Es gibt nur eine Lösung, mein Sohn, zu dem Zeitpunkt drei Jahre alt, wurde sofort zur Rede gestellt, er hat die Tat auch unumwunden zugegeben, nur wohin er den Schneebesen entführt hatte, das wusste er nicht mehr.

„Ja, keine Ahnung Mama“ bekam ich zur Antwort.

Also machte ich mich auf die Suche, ich suchte wirklich überall, auch in die Autokiste habe ich geschaut und in sein Bett, er nimmt schon mal merkwürdige Sachen mit ins Bett, letztens habe ich einen Waschlappen gefunden, ein Brillenputztuch und ein Wohnzimmerkissen.

Aber der Besen blieb verschwunden.

Für meine Soße musste ich mir bei meiner Nachbarin einen leihen, den ich nach Benutzung und Säuberung direkt zurückgegeben habe, nachher verschwindet der auch noch.

Zwei Tage später war der Schneebesen immer noch verschollen. Ich erwog den Kauf eines Neuen, kann mir ja nicht jedes Mal einen pumpen gehen.

Meinen Ableger war gerade ein Auto vom Balkon gefallen, ich musste also erst mal in den Garten um das Gefährt wieder reinholen, und was sehe ich da friedlich im Blumenbeet ruhen?
Richtig, meinen Schneebesen, seitdem suche ich verschwundene Gegenstände zuerst mal da, auch andere Kinder werfen Teile der elterlichen Einrichtung einfach über die Balkonbrüstung habe ich festgestellt, ich habe schon Gabeln, Löffel und volle Cremedosen dort gefunden.
Der Garten, eine richtige Fundgrube für vermisste Einrichtungsgegenstände.

Besonders gerne verschwinden anscheinend Socken, paarweise in die Waschmaschine gesteckt kommt garantiert immer nur noch eine von einem Pärchen raus.

Frage, was macht die Waschmaschine mit der anderen Socke?
Selber anziehen?

Oder sammelt sie Socken? Gib es irgendwo ein Sockenmuseum wo nur Waschmaschinen Zutritt haben?

Oder versteckt sie die Socke heimlich in der Wohnung? Wie anders lässt es sich erklären dass die Verschwundene plötzlich wieder auftaucht, nachdem man sich entschlossen hat sich von der anderen zu trennen?

So erging es mir erst kürzlich.

Ich habe mich von einer nur einmal gewaschenen Socke getrennt, nachdem die Zweite über ein halbes Jahr verschwunden war.

Zwei Tage später war die andere wieder da, sie fand sich zwischen Frotteehandtüchern wieder, wo sie vorher garantiert nicht gelegen hatte. Wie kam die Socke dahin fragen wir uns da? Wir werden es wohl nie erfahren, es wird das Geheimnis der Waschmaschine bleiben.

Aber die meisten Socken die verschwinden sind die von meinen Mann, er besitzt von uns die größte Sammlung an einzelnen Socken, warum das so ist? Ich weiß es nicht, vielleicht mag die Waschmaschine ihn nicht, oder sie will sich rächen weil er erst letztens in der Trommel rumgestochert hat, weil ich meinte ein verdächtiges Geräusch gehört zu haben, er konnte aber nichts feststellen.

Wenn er dann mal wieder ratlos in seinem Schrank nach zwei zueinander passenden Exemplaren sucht und mich dann mit vorwurfsvollem Blick anguckt, sage ich nur: „Schatz, die Waschmaschine, Du weißt schon.“ Worauf ich von meinem Herrn und Gebieter nur ein Kopfschütteln ernte.

Mäuse verschwinden auch schon mal, nein nicht die Sorte mit Beinen, sondern die Computermaus, in der heutigen Zeit sehr oft kabellos und deshalb ein prima Entführungsopfer für Kleinkinder.

Meine Maus war weg, gerade eben lag sie noch auf dem Küchentisch, ja genau ich sitze am Küchentisch und schreibe, ist ja schließlich mein Zimmer, die Küche, wie mein Sohn mir erst kürzlich erklärte, also schreibe ich in der Küche, da kann ich dann auch prima meine Töpfe bewachen und die überkochende Suppe im Auge behalten.

Mein Sohn hatte sich die Maus unter den Nagel gerissen, er brauchte sie zum Spielen, sie lag mitten im Playmobilhaus und diente den Bewohner als, tja ich weiß es auch nicht, aber die Playmobilfiguren brauchten die Maus dringend, wie mein Sohn sagte, und es gab dann ein Riesengeschrei weil ich sie noch dringender brauchte.

Sie lag auch schon mal in der Autokiste und in der Sockenschublade, aber zum Glück noch nie im Garten.

Auch Telefone haben die Schwindsucht, weil sie auch keine Schnur mehr haben, immer kleiner und handlicher werden und man sie prima irgendwo verbuddeln kann.

Wenn es klingelt sieht man mich hektisch rumlaufen auf der Suche nach so einem kleinen Apparat, wir haben drei Stück davon und natürlich ist keiner in Sichtweite, mal finde ich ein Telefon im Regal, auf der Couch unter dem Sofakissen, zwischen der Bügelwäsche, auf dem Balkon, oder auch gar nicht weil ich es mal wieder in der Waschküche vergessen habe oder es liegt noch bei meiner Nachbarin auf dem Küchentisch wo ich es nach dem gemeinschaftlichen Kaffee trinken habe liegen lassen.

Wenn ich Glück habe finde ich auch eins bevor der Anrufer aufgegeben hat, aber die meisten lasse es lange genug klingeln weil sie zu Hause auch immer auf der Suche nach dem kleinen Apparat sind, ausgenommen es handelt sich um meinen Vater, er legt grundsätzlich nach dem dritten Klingeln auf, er weiß nämlich immer wo sein Telefon zu finden ist, und setzt deshalb voraus das alle anderen auch immer wissen wo sie ihren Hörer vergraben haben.

Morgen werde ich den Elektronikladens meines Vertrauens aufsuchen, ein neues Telefon kaufen, seit der Akku aufgegeben hat ist es spurlos verschwunden, wer weiß, vielleicht kommt es irgendwann zwischen Socken und Handtüchern wieder zum Vorschein.

Mit verschussselten Grüßen
Jill

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Sonntag, 25. Juli 2010
Hausschlüsselspiel
Hausschlüsselspiel

Es fing eigentlich ganz harmlos an, an diesem Morgen und zwar damit, dass mein Göttergatte seinen Hausschlüssel vergessen hatte, er hing noch unangetastet im Schlüsselkasten und sah ganz unschuldig aus.

Ist ja auch nicht so wild, ich bin ja zu Hause und werde ihn wahrscheinlich auch am Abend reinlassen, wenn er Glück hat, informiere ich ihn am Telefon.
Ja, ist gut, höre ich ihn am anderen Ende ängstlich nuscheln, wahrscheinlich befürchtet er vor der Tür stehen zu müssen, was vor allem heißt, kein warmes leckeres Essen, aber so gemein bin ich gar nicht, meistens jedenfalls nicht.

Mein Sohn ist heute der reinste Sonnenschein, er kann nämlich seit neustem sitzen, 7 Monate ist er alt und er genießt es, hockt in seinem Zimmer zwischen allerlei Spielzeug und schmeißt begeistert dasselbe durch die Gegend.

Ich bin auch begeistert, vor allem weil der Haushalt so ruck zuck von der Hand geht, ich kehre ein bisschen den Balkon, und beschließe auch gleich die Tür aufzulassen, frische Luft soll ja sehr gesund sein. Fuhrwerke mit dem Staubsauger noch ein wenig herum und bin bald darauf nicht mehr so begeistert, weil durch die offene Balkontür doch so einiges hereingeweht kam. Egal, Frischluft geht vor, Tür bleibt auf und saugen kann ich dann bei Regen, es regnet ja doch sehr häufig in Deutschland. Im Stillen hoffe ich auf ein Hoch.

Söhnchen kräht immer noch vor sich hin, prima, denke ich so bei mir, und schnappe mir die Schmutzwäsche um sie noch flott in die Waschküche zu bringen.
Korb unter den Arm geklemmt, noch schnell den Hausschlüssel im Vorbeigehen aus dem Schlüsselkästchen geschnappt und flott nach unten in den Keller. Als ich die Waschmaschine belade höre ich oben meine Haustür zuknallen, nicht so schlimm, habe ja den Schlüssel mit, so was habe ich nämlich befürchtet. Im Sommer steht ja überall alles auf, auch im Keller, die Wäsche braucht schließlich Frischluft, hier unten wird sie auch nicht nass.

Ich eile wieder nach oben, ziehe den Schlüssel aus der Hosentasche und starre ungläubig darauf, es ist der Briefkastenschlüssel. Das gibt es doch nicht, ich kneife die Augen zu und reiße sie ruckartig wieder auf, aber es ist immer noch der falsche Schlüssel.
Ich denke scharf nach und komme zu dem Schluss das beide Hausschlüssel inklusive Baby in der Wohnung sind und ich davor stehe und nicht reinkomme.

Panik kommt auf, was mache ich? Warten, bis mein Sohn groß genug ist die Tür zu öffnen? Dauert zu lange, meinen Vermieter anrufen, aber der wohnt in einer anderen Stadt, dauert auch zu lange, Tür aufbrechen? Aber wie?

Der Schlüsseldienst muss her beschließe ich, aber da habe ich die Idee. Die Balkontür fällt mir wieder ein, die ist ja noch auf, und ich wohne im Erdgeschoss. Ich freue mich wie wild, aber die Leiter steht im Schlafzimmer.

Macht nichts, ist ja schließlich ein Mehrfamilienhaus, ich klingle also gegenüber, es öffnet aber niemand, alle ausgeflogen zur Arbeit und zur Schule. Ich flitze eine Etage höher, zur Linken öffnet auch keiner, rechts auch nicht, das ganze Haus scheint ausgeflogen zu sein, wo sind die denn bloß alle? Wenn man hofft niemanden zu begegnen weil man äußert mangelhaft bekleidet mit Nachthemd in der Waschküche rumwuselt trifft man garantiert das halbe Haus. Ich habe auch schon von Leuten gehört die nackt (ich nicht) in die Waschküche rennen.

Ich versuche mein Glück noch eins höher, hoffentlich habe ich Glück, darüber ist nur noch der Dachboden. Und tatsächlich, Herr E., ein sehr rüstiger Rentner nebst Frau ist zu Hause, ich erkläre atemlos was ich von ihm will, nämlich eine Leiter und hoffe er hat eine. Herr E. hat, ich nehme die Leiter in Empfang, rase die Treppe runter, den Rest falle ich fast, weil so mit Leiter unter dem Arm das Laufen gewöhnungsbedürftig ist.

Ich flitze also ums Haus rum, Richtung Garten, renne auf dem Giebel fast noch einen Nachbarn aus dem Nebenhaus um der grad seinen Tomaten gut zuredet, da hätte ich mir zur Not ja auch noch eine Leiter pumpen können. Dieser guckt etwas schräg als ich mit der Leiter an ihm vorbei renne.

Ich steht glücklich vor meinem Balkon, da habe ich schon das nächste Problem, die Blumenkästen, da könnte ich drüber, will ich aber nicht, wegen der Bienen, rechts daneben geht auch nicht, steht ein riesiger Busch, bleibt nur links, da wächst zwar auch was vor sich hin, ist aber nicht zu definieren und ich klassifiziere es als Unkraut.

Die Leiter aufgeklappt, bohre ich sie in die weiche Erde und schwinge mich heldenhaft darauf, inzwischen habe ich neugierige Zaungucker aus dem Kindergarten, der an das Grundstück grenzt, die Kinder winken mir begeistert zu, schräge Blicke kassiere ich von den Erzieherinnen, hoffentlich rufen sie nicht die Polizei, da könnte ja jeder kommen und den Balkon erstürmen.

Ich klettere über die Brüstung und falle auf der anderen Seite recht unsanft auf den harten Balkonboden. Gelächter erschallt Richtung Gartenzaun. Jetzt werde ich auch noch ausgelacht.
Egal, ich angele mir die Leiter und ziehe sie hoch und renne ins Kinderzimmer, dort strahlt mein Sohn mich übers ganze Gesicht an, er hatte mich nicht mal vermisst.

Ich säubere die Leiter und bevor ich sie nach oben bringe nehme ich den Schlüssel mit, Sie können mir glauben, diesmal habe ich dreimal geschaut ob es auch der Richtige war.

Mit schlüssellosen Grüßen
Jill

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